Beschreibung der Vorträge und Workshops beim Fachtag am 14.10.2017

9.30 Uhr

Vortrag: Wenn die Last zu groß wird – Ressourcen und Unterstützung für die Helfer

Die Begegnung mit dem Tod, insbesondere mit dem frühen, ist eine existentielle und fordert auch die Begleiter und Helfer heraus. Nicht selten können vor allem mit der Zeit Gefühle von Überforderung, Hilflosigkeit und Erschöpfung bis hin zum Burnout resultieren. Da der Fokus meist auf den Betroffenen liegt, gerät das Helfersystem leicht aus dem Blick. Dies hat sicherlich auch mit der Frage zu tun, ob ich angesichts von Leid, Trauer und Tod beim Gegenüber überhaupt den Blick auf mich selbst richten darf.

Zunächst soll kurz auf die subtilen Entstehungsbedingungen und vordergründig harmlosen Anfangssymptome der Burnoutentwicklung eingegangen werden. Dann möchte ich in meinem Vortrag das Helfersystem in den Blick nehmen und Ideen entwickeln, die den Umgang mit dem Schwere erleichtern helfen. Ich möchte auch auf präventive Maßnahmen blicken, damit es erst gar nicht so weit kommt.

 

Referentenprofil: Dr. Christian Firus

Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Traumatherapie und Systemische Therapie) sowie Psychiatrie, Oberarzt in der Rehaklinik Glotterbad/Schwarzwald und Buchautor. Arbeitsschwerpunkte: Weiterentwicklung von traumatherapeutischen Arbeitsweisen in der Gruppe, Behandlung von Depressionen und Burnout sowie die Förderung seelischer Gesundheit.
Zusätzlich in privater Praxis im Heilhaus Freiburg tätig.

 

10.30 Uhr

Vortrag: Wenn Neugeborene sterben – Selbstsorge bei seelischen Belastungen im Team

Für kranke Neugeborene und deren Eltern da zu sein, ist eine befriedigende und zugleich herausfordernde Arbeit. Schönes und Schweres, Alltägliches und Extreme liegen dicht beieinander: Geburt und Abschied, Liebe und Schmerz, Therapieerfolge und Grenzen des Gelingens. So kommt zu den „normalen“ Arbeitsbelastungen hinzu, dass emotionaler Schmerz auf Mitarbeitende „ansteckend“ wirkt und sie durch die Unbegreiflichkeit des Sterbens auch mit eigenen (Verlust)-Erfahrungen und existentiellen Sinnfragen konfrontiert werden. Wie also können Mitarbeitende gut für sich selber und füreinander zu sorgen? Im Referat werden den konkreten Belastungen eine Auswahl an personalen und sozialen Ressourcen und Zugängen zur Bewältigung gegenüber gestellt. Schließlich werden 10 konkrete Möglichkeiten praktischer Selbstsorge entfaltet, bei denen sich Mitarbeitende (1) eigene Trauererfahrungen zunutze machen, (2) auf die ganz persönlichen Grenzen ihrer Fürsorge achten, (3) sich soziale Unterstützung organisieren und (4) nicht zuletzt auch für den eigenen Körper und die eigene Seele gut sorgen.

 

Referentenprofil: Beate Violet

Pfarrerin (ev.), Krankenhausseelsorgerin in der Berliner Charité Campus Mitte, Supervisorin (DGfP KSA) in Kirche und Diakonie, Qualifikation in Palliativ care und Trauerbegleitung, Kursleiterin i.A. in der Klinischen Seelsorge Ausbildung (KSA)

Masterthesis „Von Trauer selbst betroffen – vom Umgang mit Trauer in der Supervision am Beispiel von Mitarbeitenden im Hospizdienst“, Fachbeitrag „Selbstsorge“ in „Palliativversorgung und Trauerbegleitung in der Neonatologie (Springer-Verlag 2014)

 

11.30 Uhr

Vortrag: Psychohygiene der Helfer bei Frühtod

In der Arbeit mit betroffenen Menschen und Gruppen stoßen auch erfahrene Helfer immer wieder an ihre Grenzen. Psychohygiene trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung der professionellen Kompetenz und Handlungsfähigkeit bei und hilft auch angesichts extremer Ereignisse, das innere Gleichgewicht zu wahren. Der Vortrag geht auf die damit verbundenen Aufgaben und Möglichkeiten ein und stellt insbesondere das Konzept des Kohärenzerlebens sowie die rasche Entlastung im Team in den Vordergrund.

 

Referentenprofil: Dr. Clemens Hausmann

Klinischer Psychologe am Kardinal Schwarzenberg Klinikum (Schwarzach/Pg.) und in freier Praxis, Notfallpsychologe, Traumatherapeut, Lehrbeauftragter der Universität Salzburg und der FH Gesundheitsberufe OÖ. Autor u.a. von Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe (2014) und Interventionen der Notfallpsychologie (2016).

 

Workshops von 14.00 - 16.00 Uhr

Workshop 1: Mein professionelles Gewand – ein Workshop für Kreative!

In diesem Workshop werden wir uns als Einstimmung einen kleinen Ausschnitt dessen anschauen und anhören, was über professionelle Distanz, Abgrenzung und Psychohygiene gesagt wird.
Dann aber wird es schwerpunktmäßig darum gehen, die Erfahrungen aus dem eigenen Berufsalltag dahingehend zu untersuchen, wie sehr sie uns berühren, an uns haften, zu einem Teil unseres Selbst werden…oder eben auch sich nicht wie gewünscht wandeln oder aufbewahren lassen.

Mitzubringen wären viel Kreativität und die Lust daran, sich – im selbstkontrollierten Austausch mit anderen - ein imaginäres Gewand zu „schneidern“, welches den Anforderungen im Beruf gerecht wird und welches auch Taschen für all die wertvollen Erfahrungen hat!

 

Referentenprofil: Dr. phil. Birga Gatzweiler

Diplom-Psychologin, Systemische Familientherapeutin, Psychologin SAPPV-Team und Kinderpalliativstation Uniklinikum Großhadern,  Weiterbildungen: Trauerbegleitung, Traumabearbeitung, palliative care

 

Workshop 2: Entlastungsgespräch unter KollegInnen nach kritischen Ereignissen

Kritische Ereignisse sind besonders belastende Situationen für Helfer, die über den Rahmen des Gewohnten oder Erwarteten weit hinausgehen. Eine rasche und strukturierte Unter-stützung der Betroffenen hilft, dass die Belastungsreaktionen rasch abklingen und sich nicht chronifizieren. Der Workshop vermittelt das Konzept des Entlastungsgesprächs unter Kolleginnen und stellt die umfassende Krisenintervention für Mitarbeiter (KIMA) vor. Das Entlastungsgespräch wird praktisch geübt.

 

Referentenprofil: Dr. Clemens Hausmann

Klinischer Psychologe am Kardinal Schwarzenberg Klinikum (Schwarzach/Pg.) und in freier Praxis, Notfallpsychologe, Traumatherapeut, Lehrbeauftragter der Universität Salzburg und der FH Gesundheitsberufe OÖ. Autor u.a. von Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe (2014) und Interventionen der Notfallpsychologie (2016).

 

Workshop 3: Was es schwer und was es leicht macht – Reflexionen über den Umgang mit belastenden Situationen und Anregungen zur kollegialen Beratung

Wir werden darüber ins Gespräch kommen, was für die einzelnen TeilnehmerInnen im Umgang mit dem frühen Tod belastend ist und welche Strukturen und persönlichen Strategien hilfreich sein können, um in der Balance zu bleiben. Die entlastende Methode
der kollegialen Beratung wird an einem Fall dargestellt.

 

Referentenprofil: Kirsten Hellwig, Diplom-Sozialpädagogin (FH), Systemische Therapeutin (SG), Beraterin in der Fachstelle Pränataldiagnostik und belastete Schwangerschaft in der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V.    

 

Workshop 4: Hilfreiche Standards und Rituale

Werden in Ihrer Klinik, Ihrer Einrichtung, Rituale gelebt, die den Mitarbeitern den Umgang im Bereich früher Tod erleichtern, oder haben Sie bereits Standards erstellt? Wir tauschen uns aus über bereits gelebte Erfahrungen und suchen nach Ritualen und Möglichkeiten, die hilfreich sind, für Mitarbeiter im Bereich früher Tod.

Referentenprofil: Dr. phil. Gertrud Müller M.A., Soziologin, Verhaltenswissenschaftlerin, Psychoonkologin, Interpersonelle Psychotherapie. Seit Juni 2013 Psychoonkologin in der Rotkreuzklinik München und eigene Praxis, Dozentin für Psychologie und Soziologie in Gesundheits- und Sozialberufen und Fortbilderin in Sozialkompetenz, Stressbewältigung, Kommunikation und Gewaltprävention.

 

Workshop 5: Die Seele mit dem Körper schützen

Warum ist es sinnvoll, für unseren Seelenfrieden auch unseren Leib zu nutzen? Wie ist es möglich, jenseits von Kopf und Sprache unser psychisches Wohlergehen zu fördern? In diesem Workshop wollen wir  diese Fragen erörtern und  gemeinsam üben, was stabilisiert, ausgleicht und stärkt.

 

Referentenprofil: Dr. Franziska Offermann

Trauerbegleiterin, Traumafachberaterin, Yogalehrerin, Coach, Pharmazeutin, langjährige ehrenamtliche Beratung und Begleitung bei Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister München e.V., Gründerin von „Lucera Trauerbegleitung am Arbeitsplatz“ (www.lucera.de), Coaching, Workshops, Seminare, Vorträge zum Thema, Autorin des Buches: „Wenn Kollegen trauern“

 

Workshop 6: Wie soll ich das bloß alles aushalten?
Sich und andere stärken (lassen) im Miteinander Reden und Erzählen und durch Körperübungen

Das Dasein für Eltern in diesen Extremsituationen kostet enorme Energien von den Begleiten-den auf allen Ebenen: Informationsweitergabe im Team und an die Eltern, eine gute Balance zwischen Mitleid und Distanz, Interessensvertretung sein für die Anliegen der Eltern und ihren Bedürfnissen… und nicht zuletzt: Ich selber mit meinen Fragen und meinen Kraftreserven…

 

Referentenprofil: Marille Pilger

Pastoralreferentin in der Klinikseelsorge, von 2002 – 2013 im Klinikum Dritter Orden
mit Schwerpunkt Kreißsaal, Neonatologie und Kinderklinik, seit 2013 in der Seelsorge
im Klinikum der LMU München

 

Workshop 7: Es ist ein Riss in allen Dingen, aber so kommt das Licht hinein.“
(Leonhard Cohen)

Der frühe Tod eines Kindes ist ein „Riss“ in der Seele der Eltern, von dem aber auch die begleitenden Personen (Krankenschwestern, Hebammen…) mitbetroffen sind. Im Gespräch, im Hören von Lyrik und mit kreativen Methoden (Malen, Schreiben…) wollen wir diesem „Riss“ nachspüren und dem, was in den dunklen Momenten des Lebens heilsam und lichtvoll sein kann.

 

Referentenprofil: Gustav Schädlich-Buter, Pastoralreferent, sieben Jahre Klinikseelsorger im Klinikum der LMU, Standort Großhadern, seit acht Jahren Seelsorger in einer großen Einrichtung für körperbehinderte Menschen in München.

 

Referentenprofil: Claudia Zierer

Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin in der Neonatologie und im Kinderpalliativzentrum im Klinikum der LMU, Standort Großhadern

 

Workshop 8: Selbstsorge – Jetzt denk doch mal an dich

Sich über Belastungen im Arbeitskontext austauschen, sich mit den persönlichen Gaben und Ressourcen gegenseitig wahrnehmen, sich stärken und voneinander lernen – das soll praktisch und spielerisch im Workshop erlebt und erprobt werden. Der Workshop soll erlebte Selbstsorge sein und Lust darauf machen, (mal) an sich zu denken.

 

Referentenprofil: Beate Violet

Pfarrerin (ev.), Krankenhausseelsorgerin in der Berliner Charité Campus Mitte, Supervisorin (DGfP KSA) in Kirche und Diakonie, Qualifikation in Palliativ care und Trauerbegleitung, Kursleiterin i.A. in der Klinischen Seelsorge Ausbildung (KSA)
Masterthesis „Von Trauer selbst betroffen – vom Umgang mit Trauer in der Supervision am Beispiel von Mitarbeitenden im Hospizdienst“, Fachbeitrag „Selbstsorge“ in „Palliativversorgung und Trauerbegleitung in der Neonatologie (Springer-Verlag 2014)

 

Workshop 9: Religion als Ressource

Der frühe Tod zeigt uns deutlich die Grenzen unserer Macht, führt uns an die Grenze des Lebens und auch an unsere eigenen Grenzen. Die Religion kennt viele hilfreiche Haltungen, Rituale und Übungen, um in Situationen der Ohnmacht nicht selber ohnmächtig zu werden und an diesen Grenzen handlungs- und lebensfähig zu bleiben.

Der Workshop zeigt mit Impulsreferaten, Übungen und Austausch Wege zu einem heilsamen Realitätskontakt und Hilfestellungen für die Rollenklarheit und den persönlichen Umgang mit Belastungen.

 

Referentenprofil: Gerhard Wastl

Katholischer Seelsorger (Pastoralreferent) in einem großen
Münchner Pfarrverband, mehrjährige Erfahrung als Notfall-eelsorger und in der Krisenintervention, Mitarbeit im Arbeitskreis Frühtod, Veranstalter des Gedenkgottesdienstes für fehl- und totgeborene Kinder am Ostfriedhof.

 

 



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News

erstellt am 12.05.17

Einladung zum Fachtag Tragen - Ertragen - Mittragen Samstag 14.10.17 im Klinikum Rechts der Isar, Anmeldung hier

erstellt am 20.02.17

Im Rahmen dieser Ausstellung zeigen acht Mütter, die ihre Kinder durch den Tod verloren haben, ihre Werke. Im kreativen Ausdruck haben sie eine Möglichkeit gefunden, ihren Gefühlen und Gedanken Gestalt und Form zu geben. Flyer

Termine

23. Juni 2017
Nur ein Hauch von Leben...
25. Juni 2017 18:00 bis 29. Juni 2017 14:00 Uhr
Zeit für Heilung - Zeit für Hoffnung - Zeit für uns
14. Juli 2017 08:45 bis 16. Juli 2017 00:00 Uhr
Heilendes Wochenende für Eltern, deren Kind an Suizid gestorben ist
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